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Sagen über Hohenweiler

Die Goldkiste auf Schönstein

In der Ruine Schönstein bei Hohenweiler lag eine Kiste voll roten Goldes. Eine ungeheure Kraft brauche es, und mäuschenstill zur Sache müsse man sein, um den Schatz zu heben, hieß es allgemein. Da wurde man in Hohenweiler rätig, alle Gäule des Ortes auf die Beine zu bringen und damit die Kiste fortzuführen. Man sammelte sich in dunkler Nacht in Schönstein und spannte die Gäule an die Tragringe der Schatzkiste, und dann Stille – ein paar Streiche mit der Geißel – und es sollte gehen, aber es ging nicht. Da verschwätzte sich einer, dessen altersschwaches Rößlein im Stall vergessen worden war, und rief hellaut auf gut unterländisch: „Bigott, i mueß min alta Koga ou no hole!“ Aber da war es mit dem Heben des Schatzes aus. Sie holten das Rößlein, aber mitsamt dem alten Koga brachten sie die Schatzkiste nicht abstätt.

Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 1, Seite 51

Wo soll ich´s hintun?

Ein braves und beherztes, aber wortschnelles Mädele aus Hohenweiler ging einmal am Abend mit Spinnrad und Kunkel in des Nachbars Haus auf den Heimgarten. Der Weg führte es an einem Buchwald vorbei, von dem allgemein die Sage ging, er sei nicht kauscher, weil seit Jahren ein Geist darin hause. Wirklich sah das Mädele, als es den Abend an dem Wäldchen vorbeikam, eine dunkle Menschengestalt, wie sie unstet auf und nieder schritt und kläglich wimmerte: „Wo soll ich’s hintun?“. Die derbe schwäbische Jungfrau ohne Furcht und Tadel rief: „Du Narrl wo du’s her hast!“ Kaum war das Wort heraus, da sprang die Gestalt fast in einem Satz auf sie zu und griff an die Kunkel, daß der Flachs daran alsogleich in lichterloher Flamme aufging. Auf diesen Überfall war die beherzte Jungfrau denn doch nicht gefaßt und sie lief erschrocken über Stock und Stein in des Nachbars Haus. Als sie dort bei Kerzenlicht ihre nackte Kunkel besah, so war darin das Mal von fünf Fingern eingebrannt. Seit der Zeit aber war der Geist erlöst und es spukte nicht mehr im Buchenwald.

Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 2, Seite 51

Wespen und Bienen bannen

Bei Hohenweiler war ein Bauer beim Ackern. Da brachte der Pflug mit einem Male einen Haufen Wespennester, ganze „Imbebinkar“ (Bienenkörbe) zu Tage. Der Bauer und die Pferde wären von den vielen Wespen, die da herausflogen, sicher zu Tode gestochen worden, wenn nicht gerade der Bauer Ambros Mägerle von Hohenweiler des Weges gekommen wäre, ein Mann, der es verstand, Menschen und Tiere zu bannen. Er erkannte die Gefahr für Bauer und Pferde, kniete bei den Wespennestern nieder, besegnete sie, sagte seinen Zauberspruch, und siehe da, alle Wespen waren wie gefroren.

Einmal sagte dieser Mägerle nachts zu seinem Weib: „Laß me hüt it verschlafe und weck mi reacht früeh, denn kascht ebbas seahe!“ Es hatte ihm einer in dieser Nacht Zwetschken von den Bäumen stehlen wollen und Mägerle hatte nicht versäumt ihn zu bannen. Da konnte der Dieb nicht mehr von der Stelle und mußte warten, bis Mägerle in der Früh kam, um ihn zur Rede zu stellen.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 41, S. 49

Mit freundlicher Genehmigung von www.sagen.at

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