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Sagen über Hörbranz

´s Wurtas

Wenn durchs Riteleholz bei Fronhofen ’s Wurtas fährt, hört man weithin ein Geräusch, als ob man Steine zu Boden werfe.

An der Berglehne von Bregenz bis nach Kugelbeer waren vor Jahren Reben angepflanzt. Da fuhr denn oft ’s Wurtas über diesen Weinberg dahin und machte einen solchen Lärm, als ob alle Rebstecken aneinander geschlagen würden.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 23, S. 42

 

Das Nachtvolk von Fronstein

Auf dem Wege von Leiblach nach Fronhofen kommt man zu einem Kreuzweg. Da hört man nächtlicher Weile ein Singen und Jubilieren, nicht zu glauben wie schön, und wer dann den Mut hätte hinzugehen, brauchte bloß die Hände hinzuhalten und er bekäme Geld grad genug.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 24, S. 42

 

Der Ritter von Halbenstein
Auf der kleinen, mit einem runden Turme bekrönten Burg Halbenstein oberhalb Fronhofen, hauste vorzeiten ein Ritter, der wegen seiner unchristlichen Sitten verhaßt war in der ganzen Gegend. Da faßte das geplagte Volk in seiner Not den Plan, ihn zu ermorden. Sogar seine Hausmagd versprach Mithilfe. Als der Ritter eines Mittags an der Tafel saß, hängte sie der Verabredung gemäß an der Stelle, wo er seinen Platz hatte, einen roten Strumpf ans Fenster. Ein Bauer aus Eichenberg schoß mit einem Standrohre darauf und traf den Ritter ins Herz. Bei der großen Entfernung wurde dies als ein Wunder angesehen. Es war das Maß der Sünden des Verhaßten voll gewesen. Die Ruine Halbenstein ist heute fast gänzlich abgetragen und die Steine sind zum Baue von Bauernhäusern verwendet worden. Ein Teil der Burg und des Turmes war in den Achtzigerjahren noch vorhanden. Zuletzt wohnten in der Burg arme Leute. Ihre Kinder wollten abends nie ins Bett und fingen dann immer in der Nacht jämmerlich zu schreien an. Sie sagten, sie sähen einen Geißbock. Man gab ihnen endlich etwas Geweihtes in ihre Bettchen mit, darauf waren sie die ganze Nacht ruhig. – Vorher hatte der Bauerndoktor Geng von Bregenz in diesem ehemaligen Lehengute gewohnt. Dem machte es immer, wenn er vom Kräutersammeln heimkam, seine Zimmertür auf und einmal drängte sich sogar etwas zwischen ihn und die Zimmertür, sodaß er weder vor noch rückwärts konnte.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 34, S. 45f

 

Der Pestfriedhof von Gigelstein

Im Osten des Dorfes Hörbranz, nicht weit von der oberen Straße nach Hohenweiler, liegt ein einsamer Gottesacker, der Pestfriedhof von Gigelstein. Im Pfarrbuch werden etwa 180 Personen aufgeführt, die großenteils in Hörbranz, zum Teil auch in der benachbarten Bregenzer Pfarrei „außer der Klaus“ an der Seuche starben und auf diesem Friedhof begraben wurden.
Nach mündlicher Überlieferung sollen es an dreihundert gewesen sein. Die Leichen habe man untertags außerhalb des Dorfes Hörbranz im „Totenhaus“, das jetzt der Bauer F. bewohnt, aufgestapelt und in der Nacht habe man sie dann auf den Pestfriedhof gebracht. Ein Gäßlein, das zu diesem Gottesacker beim Weiler Gigelstein führt, heißt das Pest- oder Totengässele. Jetzt begräbt man dort noch Selbstmörder und solche Verunglückte, von denen man nicht weiß, welcher Konfession sie angehören. Die hübsche Kapelle, dem hl. Sebastian geweiht, ist noch heute das Ziel von Bittgängen und jährlich wird dort viermal die heilige Messe gelesen. Die Friedhofmauer ist von der Zeit stark mitgenommen und Efeu rankt sich an ihr empor.

Im Franzosenstich, zwanzig Minuten ober dem Pestfriedhof, am Fuße der „Kanzel“, seien zwei Franzosen erschossen worden und auch dort begraben. – Unter „Stich“ versteht man bei uns eine steile Wegstelle.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 36, S. 46f

 

Feurige Ruten am Himmel

Im Jahre 1870 sah ein Bauernbursche von Hörbranz 4 bis 6 Ellen lange feurige Ruten von Hörbranz über Bösenreutin gegen Ravensburg in der Luft, und ein Vierteljahr darauf brach der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich aus. Das wurde von dem Betreffenden selbst erzählt.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 37, S. 47

 

Der Schmuggler

Ein Viehhändler von Hörbranz, vulgo H., hat zu seinen Lebzeiten oft im Bayrischen Ochsen gekauft. Statt sie zu verzollen und auf der Straße heimwärts zu treiben, schmuggelte er sie in der Nacht heimlich über die Grenze, indem er die Ochsen über die Felder und Kornäcker der Bauern nach Hause trieb. Seit dem Tode des H. sieht man in der Nacht die ganze Strecke, wo er die Ochsen heimgetrieben hat, hin und hin Lichter.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 38, S. 47

 

Der Melker

Ein Bauer in Hörbranz hatte zehn Kühe. Der Nachbar hatte nur zwei und doch mehr Schmalz als der andere. Früh, wenn man in den Stall des Reichen kam, waren die Kühe ganz strublig und geschwitzt, naß und dreckig, und gaben fast keinen Tropfen Milch mehr. Man holte den Tierarzt. Er konnte an den Tieren nichts erkennen, als daß sie schon gemolken seien. Da gingen die Leute in den Stall passen und schlössen überall zu. Auf einmal tat sich die Stalltüre auf und es kam der nächste Nachbar herein, der ging herum und steckte bei jeder Kuh so zehn Minuten lang den Schnetzer (ein Messer) in die Wand. Wie er fertig war und gehen wollte, kamen sie hervor, verschlugen ihn derart, daß er nicht mehr gehen konnte, und steckten ihm noch dazu den Schnetzer in den Hintern. In diesem Schnetzer seien drei Kreuze gewesen. Von dort an haben die Kühe wieder Milch gegeben wie früher.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 39, S. 47

 

Von Galgenvögel

Da war einmal einer, den man gern gehängt hätte in Bregenz. Aber die Bregenzer hatten’s wie die Nürnberger: Sie konnten keinen aufknüpfen, eh‘ sie ihn hatten. „Kriesebueb“ hieß man den Biedermann. Sein Skelett soll noch in Bern zu sehen sein. Dieser Galgenvogel begegnete einmal einem Weiblein bei Hörbranz. „Guete-n-Obed, Wible!“ „O an guete!“ „Wible, host o scho da Kriesebueb g’seahe?“ „Nei“, gab das Mütterlein zur Antwort, „aber g’hört ho-n-i scho viel vo deam Kearle.“ Da öffnete der Gauner beide Arme und rief: „Wible, lueg-me a, i bin-e!“ Die Alte wollte vor Schrecken schier umsinken; der Gefürchtete aber lachte und schlug sich in die Büsche.

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Einer der Galgenvögel wurde der „schöne Wilhelm“ genannt: Von dem weiß ich aber nichts Lustiges, auch nicht vorn „Galgenkaspar“, aber vom Hueter, zu dessen Hinrichtung einstens jung und alt, wer nur sein Fußwerk regen konnte, voll Neugier nach Altstätten eilte. Der Malefikant brach aber in der letzten Nacht aus, ließ kein Gras unter seinen Sohlen wachsen, und als er vor Tau und Tag, Fuhrwerke auf Fuhrwerke, Volk auf Volk auf allen Wegen und Stegen erblickte, fragte er einmal: „Wohin denn so eilig?“ „Altstette zue“, hieß es, „ma richtet de Huetar!“ „Ho, do müeßt i eigentli o derbei si!“ spöttelte der Gauner ihnen nach.

Quelle: A.K. G., VonGalgenvögeln am Bodensee, in: Holunder 15 (1937), Nr. 45, S. 3, zit. nach Sagen aus Vorarlberg, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 245f

 

 

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