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Sagen über Eichenberg

Die treulose Magd

Der letzte Inhaber der Burg [Ruggburg] ist durch Verrat umgekommen. Er pflegte sich stets nach dem Mittagessen an der Sonnenseite der Burg zu sonnen.
Es war einst während einer feindlichen Belagerung. Eine seiner Mägde hatte schon zuvor mit dem Feind verräterische Beziehungen gepflogen und machte nun mit ihm aus, sie würde über dem Fenster des Zimmers, wo der Herr um jene Zeit sich zu sonnen pflege, ein weißes Tuch an einem Stecken befestigen; auf dieses Fenster solle man dann zielen; so könne man den Burgherrn erschießen.
Und so geschah es auch; aber der Schuß verfehlte sein Ziel, und nur ein Stein fiel in das Gemach herab. Die Magd drang nun in dasselbe ein, um zu sehen, ob ihr gemeinsames Werk Erfolg gehabt habe.
Der Burgherr aber durchschaute seine treulose Magd und schlug sie unter die Tür. Schließlich aber sei er doch selbst noch vom Feind erschlagen worden.

Quelle: Andreas Ulmer, Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins, Dornbirn 1925-1931 , S. 343, zit. nach Sagen aus Vorarlberg, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 101

Das Fräulein von Ruggburg

Auf der Ruggburg ist vor Zeiten ein Fräule gewesen, das schönst in der Gegend.
Menger Ritter hat es wollen zur Frau, aber das Fräule ist, ich weiß nicht wie, viel zu ernstlich gewesen und hat nicht wollen mannen.
Einmal geht es an einem Abend spazieren und trifft eine Bettlerin, die grad am Weg da strickt, und die klagt dem Fräule die Not und weint und erzählt, was sie schon habe mitgemacht im traurigen Leben: „Ihr tätet’s nicht glauben, gestrenges Fräule, was ich meiner Lebtag habe gelitten, und Ihr wisset halt eben nicht, was Kummer und Sorge ist“. Mein Fräule schmöllelet: „Ei, sag mir, was Kummer und Sorge ist“, und gibt dem Weiblein ein Bießle (Zehnkreuzerstück). Das Bettlerweible aber gibt dem Fräule den Knäuel Garn und sagt: „Da traget den Knäuel in den Tannenwald hinauf, bis ihr die Seel findet vom Knäuel, dann erfahrt Ihr bestimmt, gestreng Fräule, was Kummer und Sorge ist.“ Mein Fräule nimmt den Knäuel und geht munter in den Tannenwald hinauf und windet vor ihm hin den Knäuel ab. Jetzt, da fängt es langsam zu dämmern an, und mit der Dünkle geht der Knäuel aus, und meinem Fräule bleibt eine Baumnuß, auf die der Knäuel gewunden gewesen, in der Hand, und die Baumnuß ist die Seel vom Knäuel, und mein Fräule sieht jetzt freilich ein, was Kummer und Sorge ist.
Das zarte Ding steht jetzt in einem schwarzen Tannenwald, mutterseelenallein, weiß keinen Weg, keinen Steg zum Schloß zurück, hat Hunger und Durst, hat nichts zu essen und nichts zu trinken, möchte schlafen und hat kein Bett, möchte sich wärmen und hat keine Stube. Da fängt es an zu weinen und verspricht, wenn es wieder zu Leuten komme, gehe es ins Kloster. Drauf geht es immer weiter durch Tannen und Föhren und betet vor ihm hin, und die kalte Nachtluft verzauslet ihm die Locken.
Mit einemmal sieht es ein Lichtlein durch die Tannen flimmern und schreit auf vor Freude und geht aufs Lichtlein zu und kommt zu einer Hütte und klocket. Ein altes, buckliges Weiblein, ein Licht in der Hand, tut auf. „Habt mich doch über Nacht-, sagt das Fräule, „ich bin verwirrt und finde keinen Weg mehr heim“. „No, so sei es“, sagt das Mütterle und führt das Fräule in die Stube, „aber“, sagt es, „das Ding ist nicht sicher, ich fürcht, der Jäger kommt; das ist ein wilder, ungehobelter Kerle, der nichts, was Mensch heißt, leiden will, nur mir tut er nichts, ich sei schon geschlagen genug, sagt er, mit meinem Buckel. Tagweis geht er fort und paßt auf das Hochgwild, und, so Gott will, kommt er hinacht nimmer.“ Das Fräule loset und schnauft voll Kummer und Sorgen. Auf einmal hört man es bellen und hünen, und der Jäger ist vor der Hütte und flucht. Das Fräule, stuchenweiß vor Schrecken, springt auf und will fliehen, aber unter der Tür verkommt es dem Jäger, und der zieht seinen Säbel und haut ihm das flatterige Haar ab. Das Fräule ist froh gewesen, daß ihm der Kopf noch ist stehen geblieben und ist im Wald weiter gelaufen.

Das ist geschehen im Herbst. Aber dem Jäger ist von der Zeit an nimmer mehr wohl gewesen. Das Bild von dem Fräule ist ihm, wie sein Zorn verrochen gewesen ist, allweg vor die Seel gekommen. Er macht Kränzlein und Blumen aus des Fräuleins Haar und schaut sie an und weint. „Weible“, sagt er auf einmal zu seiner Wirtschäfterin, „Weible“, sagt er, „mich reißt es jetzt weiter, ich gang und such mir das Fräulein, ohne den Engel kann ich’s nicht mehr prästieren.“ Und der Jäger zieht fort mitten im Winter und geht weislos von Schloß zu Schloß, aber nirgends findet er sein Schätzle. Endlich kommt er im Schwabenland zu einem Kloster und bettelt eine Suppe, und wer gibt ihm sie? – das Fräule von Ruggburg, sein Schätzle. – Stuchenweiß werden beide, und die Klosterfrau schlägt schnell wieder die Tür zu. Der Jäger aber liegt am anderen Morgen erfroren bei der Pforte.

Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 3, Seite 52

Das Holzangerwieble

Holzangerwieble hieß man in Eichenberg bei Bregenz eine Wettermacherin. Wenn das schönste Wetter war und die Leute fest am Heuen, sei sie auf ein Kreuzwegle, habe mit einem Haselstecken herum gefahren und etwas gesagt und hinaufgeschaut. Dann habe es ein böses Gewitter gegeben. Und Kühe gemolken habe sie bei der verschlossenen Stalltüre. Als man ihr abgepaßt und sie tüchtig verschlagen habe, sei sie nicht mehr gekommen.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 30, S. 44

Der Besen
Die Kronenwirtin in Eichenberg erzählte, daß einmal Dienstboten aufs Feld, unterhalb der dortigen Kirche, heuen gingen. Da fand eine Magd in einem Gebüsch einen Besen.
Weil sie gerade keinen hatte, mit dem sie den Stall auskehren hätte können, nahm sie ihn mit nach Hause. Ein Knecht, dem der Besen aus dem Gebüsch nicht geheuer vorkam, warnte vergeblich die Magd: „Wart, z’obed wirst de Bese scho wieder zruggträge; dear ghört dem Katzesteigar Wieble!“ Richtig, wie die Magd daheim die Stubentür aufmachte, rannte eine Närrische mit einem Rosenkranz in die Stube und kroch unters Bett hinunter. Das war die Strafe des Katzensteiger Weibleins, weil man ihm den Besen genommen hatte.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 31, S. 44f

Das Katzensteigwieble
Am Katzensteig bei Eichenberg läuft das Katzensteigwiebli eine ganz bestimmte Strecke weit auf und ab; an Kleidern trägt es nur ein blaues Röcklein. Einmal kamen auch fünf oder sechs Männer vom Klosamarkt aus Bregenz heim. Weil sie nicht mehr alle ganz nüchtern waren, sagte einer von ihnen voll Übermut, er wolle jetzt machen, daß er das Katzensteigwiebli auch einmal zu sehen bekomme, und er fing gottsjämmerlich zu fluchen an.

Wirklich ließ das Weiblein nicht lange auf sich warten; es kam und fuhr mit dem Frevler in die Lüfte. Lange blieb er droben, und die ändern hörten ihn entsetzlich stöhnen in der Luft. Endlich hörten sie, wie der Mann ein deutliches „Ja“ sagte und darauf schnell wieder auf die Erde herunterkam. Sie fragten den Geretteten, was er denn habe versprechen müssen, als er ja gesagt habe. Der Mann berichtete, das Weiblein habe ihn nur gefragt, ob er an Gott glaube. Als er es bejaht hatte, ließ ihn das Katzensteigwiebli wieder auf den Boden nieder.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 40, S. 49

Teufelskunst

Ein Mann, Anton F., der in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts am Spehler auf dem Pfänder gelebt hatte, mußte nach seinem Tode auf seinem Anwesen als Geist umgehen. Als man aber das alte Wohnhaus abgebrochen hatte, merkte man nichts mehr von ihm. Er war zu seinen Lebzeiten mit dem Bösen im Bunde und übte viel Zauberei und Teufelskunst aus. So hat er auch anderer Leute Kühe gemolken, ohne daß er bei ihnen im Stall sein brauchte. Ein Zauberer bringt das fertig. Wenn er ein Messer in die Wand steckt, dann rinnt Milch heraus.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 42, S. 49f

Schnee im Sommer

Ein Bauer ging einmal in Begleitung seines Hundes auf die Alpe Kälbele auf dem Pfänder. Da es noch dunkel war und ihn der Weg über Stock und Stein führte, hatte er eine brennende Fackel bei sich. Auf einmal sah er einen großen Mann mit glühenden Augen vor sich auf dem Boden liegen. Der entsetzte Wanderer konnte nicht anders, als über den am Boden Liegenden hinwegschreiten. Da blies ihm dieser die Fackel aus, und zwar so, daß kein bißchen Glut zurückblieb. Darauf mußte der Bauer stundenlang in tiefem Schnee herumwaten, obwohl es Sommer war. Endlich bei Tagesgrauen fand er wieder den rechten Weg und auch der Schnee war verschwunden.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 43, S. 50

Der Schatz bei Lohorn

In der Nähe der Bauernhöfe Lohorn, ein Stück unter dem Pfändergipfel, war ein armes Weib damit beschäftigt, Gras mit einer Sichel zu mähen. Plötzlich stieß sie auf eine Otter. Die kroch aber schnell davon und auf der Stelle, wo die Wildheuerin die Otter erblickt hatte, lag ein ganzer Haufen glänzender Schneckenhäuslein. Weil sie gar so schön aussahen, steckte die Wildheuerin einige zu sich, um sie ihren Kindern zum „gschäfferle“ zu bringen. Als sie heimkam, griff sie in die Tasche, um den Kindern die Schneckenhäuslein zu geben, aber siehe, sie waren in lauter Krontaler verwandelt. Auf der Stelle eilte das Weib wieder zurück, wo die Schneckenhäuslein gelegen, aber da war nichts mehr zu sehen.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 44, S. 50

Der Schrättle auf dem Hintermoos
Eine fast hundertjährige Bäuerin auf dem Pfänder gilt allgemein als Hexe. Es ist bekannt, daß sie als Schrättle Vieh und Leuten im Schlaf aufsitzt. Ihr eigener Sohn sah sie einmal aus dem Loch in der Schibe (Wagenschupfe) herausschlüpfen, als er um Mitternacht von der Rammlate (Heimgarten) auf sein Haus zukam und ungesehen durch dieses Loch ins Haus wollte.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 45, S. 50

Die Katze heruntergeschlagen
Beim Grünegger am Pfänder saß eine Katze auf einem Pfahl oben und sonnte sich.
Ein Mann kam des Weges und schlug sie herunter. Sogleich hüpfte sie wieder hinauf. Da schlug er sie noch zweimal herab. Immer aber hüpfte die Katze wieder auf den Pfahl hinauf. Da dachte der Mann, das könne nichts Rechtes mehr sein, und machte sich schleunig davon.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 46, S. 51

Im Kriegshaus über dem Haggen
Ober dem Haggen stand ein Blockhaus, das sogenannte Kriegshaus. Es war aus rohen Baumstämmen gezimmert und hatte zum Hinausschauen kleine Löcher. Auch war es ganz mit Palisaden umgeben. Als der Krieg mit den Franzosen vorbei war, wurde es von armen Leuten bewohnt. Es war aber in diesem Blockhaus nicht gut wohnen, weil darin oft Geister einen fürchterlichen Lärm machten. Am ärgsten aber war es, als diesen Leuten einmal ein Kind starb. Da hat es derart gerumpelt und gerasselt, daß die Totenwache und die Leute, die beten gekommen waren, aus dem Hause hinausliefen.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 47, S. 51

Mit freundlicher Genehmigung von www.sagen.at